A BIRD AND THE MEAD OF POETRY

red-necked_phalarope_6203370883_copyright-by-u-s-fish-and-wildlife-service-headquartersRed-necked phalarope (Odinshühnchen) in breeding plumage,
photograph by U.S. Fish and Wildlife Service Headquarters *

The red-necked phalarope is an extraordinary bird and a real wanderer between the worlds and above the sea of fog although it is not really big (length of 19 cms). The photo above shows the outlook during breeding, in autumn and winter the plumage will change to a simple white/grey. However, it needs to be pointed out that gender roles are completely different while the male birds are breeding the eggs and also guiding afterwards the young birds while the female birds perform the courtship displays in order to attract the male birds and will as well protect the breeding site against external enemies. The birds are breeding from May until July all over the Northern arctic and subarctic hemisphere including Iceland, Sweden, Finland and Norway. During the rest of the year the birds are staying scattered over the tropical and subtropical oceans but also at the coastal side of Patagonia and the Southern part of Japan. The German name is a bit unusually weird Odinshühnchen (meaning literally Odin chicken) such making reference to the Northern & Scandinavian mythology – one of its glamorous homelands in the circle of the year.

odin-as-eagle-stealing-the-mead_of_poetryOdin steals the Mead of Poetry while being chased by Suttungr,
illustration by Ólafur Brynjúlfsson, 18th century *

In the old North-European mythology ‘Edda’ the divinity Odin (German: Wodan) steals the Mead of Poetry in the shape of an eagle out of Suttungr’s cave. The Poetic Mead is a real magic beverage and, whoever drinks it, soon thereafter can recite any information and solve any question. While being chased by Suttungr, Odin spits the Mead of Poetry into several vessels. But the chase was so fierce, that some spits dropped backwards. Hence, anybody could now drink this part, and subsequently poetry was finally gifted to mankind by a single bird. Maybe this old saga was the background for naming the red-necked phalarope honourably in German Odinshühnchen?

dsc_0139Birdwatching excursion led by ornithologist Derk Ehlert
on Poel Peninsula/Baltic Sea in August 2
016

In Central Europe the red-necked phalarope can only be discovered rarely during their passage to the South in August when making a rest in the German coastal region, sometimes as well in Austria at Lake Neusiedl. So in August 2016 I was really lucky to see an Odinshühnchen during an ornithological trip to Poel Peninsula/Baltic sea led by Derk Ehlert in large distance on an inland-pond which is one of their preferred sites. But you need of course a very good binoculars / spotting scope for such purpose and without an experienced guide who knows where to look you will never have such a chance. But such excursions require more than that: to some extent a strong will for “self-torturing” such as standing still for long time quietly just waiting or looking and what is even worse usually no stop at a nice coffee-shop the whole day. Therefore, I can not join such events so often although it is always nice and interesting.

hinten-jan-09-001Bird house fixed on our home’s balcony in Berlin, January 2009

But birdwatching is also possible at home more comfortable. On our Eastern side balcony, birds are regular visitors especially in autumn and winter. In this regard the behaviour of great tits (German:  Kohlmeise) is remarkable because at least one of them likes very much to sit on the epalier of a rose plant watching us sitting at the computer or elsewhere. This quite familiar situation is really an active kind of curious human watching by this bird, and I hear the bird speaking: “Hello, nice to be here, thank you & see you soon again.”  Birds are magical beings because even the smaller species do have sometimes a clear poetical message for us, we must only listen to their coherent polyphonic daily concert.

© transmutation.me (2016)                        * royalty-free for common use

GERMAN LIFESTYLE AUS SYRISCHER SICHT

Was tun, wenn nach Ankunft in einem fremden Land der allererste Kulturschock überwunden ist, jetzt jedoch jegliche Orientierung über Land und Leute fehlt und die fremde Sprache zudem noch erlernt werden will?

3 junge Syrer, die noch nicht so lange in Deutschland leben, eröffneten daher den Youtube-Kanal German Lifestyle (GLS) , der den deutschen Lebensstil erklären möchte, quasi ein digitaler Erste-Hilfe-Kasten für Neuankömmlinge in deutscher und arabischer Sprache. Eine derartige Selbsthilfe ist ja oft effektiver wie die Arbeit von offiziellen Beratungsstellen, da hier ohne Sprachbarrieren über all die vielen Herausforderungen von/mit direkt Betroffenen gesprochen werden kann, über deren wirklichen Probleme sich Einheimische oft Regel nicht bewußt sind. 

Allaa Faham (19), Abdul Abbasi (22) und Fayez Roman (25) thematisieren in ihrem Youtube-Kanal German Lifestyle (GLS) peinliche Situationen, Vorurteile, Mentalitätsunterschiede oder auch ganz alltägliche Situationen (Begrüßung, allgemeine Umgangsformen und Verhaltenskodex) auf eine wirklich sehr humorvolle – teils überspitzte – Art und Weise, wodurch auch Deutsche sehr typische Kommunikationsrituale aus einer ganz anderen Perspektive sehen können. Einfach mal angucken:

Wenn dein Freund dir was zum Essen anbietet
لما يعزمك صديقك على شي 
© German LifeStyle (GLS)

Im Chinesischen gibt es das Wort ‘Nein’ nicht, dort sagen die Leute dann halt stattdessen zum Beispiel ‘So ist das nicht’, was allemal angenehmer im Ohr klingt. Aber jetzt muss ich nun wirklich gehen …

ALS DIE WELT IN SCHERBEN FIEL

DSC_0040Detailansicht aus: Mietshaus ohne Adresse, Jurek Kozieras

Assemblagen aus dem untergegangenen Breslau
des polnischen Künstlers Jurek Kozieras
vom 4. Februar 2016 bis 2. März 2016
in der Humboldt-Bibliothek in Berlin-Tegel, Karolinenstr. 19
U-Alt Tegel (U6), S-Tegel (S25), Bus: A124, A125, A133, A220 und A222

Finissage mit Lesung  des polnischen Schriftstellers Jacek Inglot
am 2. März 2016 um 19.30 Uhr  am gleichen Ort
mit Passagen aus dessen Roman „Vertrieben“ in deutscher Sprache

Veranstalter: Deutsch-Polnische Gesellschaft Berlin & Humboldt-Bibliothek

Stammbuch_Johann_Gottfried_Rüde_Illustration_Breslau_1760Breslau während des Siebenjährigen Krieges,  Johann-Gottfried Rüder, 1760

Die Stadt Breslau in Schlesien bzw. Polen kann auf eine über 1000-jährige und bewegte Geschichte mit unterschiedlichen Akteuren zurückblicken, sodass die Stadt heute von vielerlei kulturellen Einflüssen profitiert. Dabei gab es immer wieder Katastrophen wie zum Beispiel Stadtbrände im Mittelalter, wobei die Stadt aber nur zweimal durch kriege-rische Handlungen sprichwörtlich ausgelöscht wurde. Nach dem Einfall der Mongolen in Zentraleuropa im Jahre 1241 komplett geplündert und zerstört, wurde die Stadt unmit-telbar danach von deutschen Siedlern wiederaufgebaut, was bis 1261 dauerte, und sie waren für viele Jahrhunderte bis 1945 die prägende Kraft der Stadt.

Neumarkt 1945Breslau, Neumarkt (Plac Nowy Targ), 1945

Gegen Ende des 2. Weltkrieges erklärten die Nazis die Stadt Breslau im Jahr 1945 als Ganzes zur militärischen Festung, die es mit allen Mitteln zu verteidigen gälte. Durch den hierdurch entstandenen Häuserkampf zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee in großen Teilen verwüstet – wurde die Stadt danach in zweifacher Hinsicht ein Symbol der Migration und Vertreibung, denn gemäß den Vereinbarungen der Alliierten mussten nach Ende des 2. Weltkrieges nahezu alle noch verbliebenen deutschen Bewohner die Stadt und Schlesien verlassen, um Platz zu machen für expatriierte Polen aus polnischen Gebieten im Osten – Territorien, die nunmehr von der Sowjetunion besetzt und beansprucht wurden. Die neuen polnischen Bewohner und Bürger haben mit viel Mühe und Energie über längere Zeit Breslau nach den Wirren des Kriegs wiederaufgebaut, sodass man auch heute wieder die vielen historischen Häuser der verschiedenen Bauepochen und Stile in der Altstadt bewundern kann.

DSC_0051Die fünfte Fassade des Marktes,  Jurek Kozieras

In seinen Assemblagen setzt sich deren Erschaffer Jurek Kozieras seit dem Jahr 2000 quasi archäologisch mit der Stadtgeschichte Breslaus auseinander. Seine Arbeiten sind aus Alltagsgegenständen bzw. Resten davon entstanden, die er in der Nähe seines Hauses im Breslauer Stadtteil Herdain (Gaj) gefunden hat, nachdem Bagger dort im Rahmen eines Neubaus mit Erde und Schutt all diese Relikte und Schätze der ehemaligen deutschen und jüdischen Bewohner aus der Tiefe ans Tageslicht beförderten.

DSC_0102Detailansicht aus: Meine kobaltblaue Ballade,  Jurek Kozieras

Entstanden sind hierdurch phantastische, surreale und teilweise auch gemalte Objekte aus einer Grenzregion im Spannungsfeld unterschiedlicher nationaler Diskurse, auch wenn sich die Grenze zwischen Polen und Deutschland seit 70 Jahren nach Westen an die Ufer von Oder und Neiße verschoben hat. Für Jurek Kozieras ist es bei seiner Arbeit mit den historischen Fundstücken aber nicht wichtig, welche Nationalität die früheren Benutzer dieser alltäglichen Dinge hatten, sondern einzig und allein die Tatsache, dass es sich hierbei um Spuren und von der Geschichte vergessene Hinterlassenschaften ehemaliger Breslauer handelt, die in diesen Arbeiten wieder Gehör in der heutigen Zeit finden.

DSC_0084.JPGReisefieber, Jurek Kozieras

Der regionale Aspekt ist also eine treibende Kraft dieser Kreationen, welche in der Tradition von Kurt Schwitters oder auch von Hannah Höch stehen. Die während der sehr langen kommunistischen Ära verdrängte deutsche und jüdische Geschichte der Stadt bekommt durch diese Arbeiten so auch wieder einen Platz im Gedächtnis der heutigen Bewohner, und die Ausstellung seiner Assemblagen stieß vor 10 Jahren in Breslau auf so großes Interesse, dass die Ausstellung dort verlängert werden musste.

DSC_0127Detailansicht aus: Hoinstein bei Breslau, Jurek Kozieras

Im Jahre 2016 ist Breslau nun Kulturhauptstadt Europas (zusammen mit San Sebastian im Baskenland), und diese hier nun gezeigte Ausstellung Als die Welt in Scherben fiel mit einer Auswahl von 25 Exponaten in der Humboldt-Bibliothek in Berlin-Tegel ist die erste Veranstaltung der Kulturhauptstadt Breslau in Berlin.

DSC_0066Detailansicht aus: Ode an den Kölner Dom, Jurek Kozieras

DSC_0061Gespräch mit Kurt, Jurek Kozieras

In einer Zeit, wo eine Vielzahl von Politikern in allen möglichen Ländern wieder eifrig alte Feindbilder längst vergangener Zeiten reaktivieren und pflegen, sind diese Assemblagen im Gegensatz dazu visionäre und sehr komplexe Botschaften einer bei aller gepflegten Tradition auch modernen und aufstrebenden Stadt im Herzen von Europa.

DSC_0057Schlesische Schlösser,  Jurek Kozieras

Weitere Informationen zu Breslau und dem diesjährigen Kulturprogramm hier:

http://www.wroclaw.pl/go/veranstaltungen