ALS DIE WELT IN SCHERBEN FIEL

DSC_0040Detailansicht aus: Mietshaus ohne Adresse, Jurek Kozieras

Assemblagen aus dem untergegangenen Breslau
des polnischen Künstlers Jurek Kozieras
vom 4. Februar 2016 bis 2. März 2016
in der Humboldt-Bibliothek in Berlin-Tegel, Karolinenstr. 19
U-Alt Tegel (U6), S-Tegel (S25), Bus: A124, A125, A133, A220 und A222

Finissage mit Lesung  des polnischen Schriftstellers Jacek Inglot
am 2. März 2016 um 19.30 Uhr  am gleichen Ort
mit Passagen aus dessen Roman „Vertrieben“ in deutscher Sprache

Veranstalter: Deutsch-Polnische Gesellschaft Berlin & Humboldt-Bibliothek

Stammbuch_Johann_Gottfried_Rüde_Illustration_Breslau_1760Breslau während des Siebenjährigen Krieges,  Johann-Gottfried Rüder, 1760

Die Stadt Breslau in Schlesien bzw. Polen kann auf eine über 1000-jährige und bewegte Geschichte mit unterschiedlichen Akteuren zurückblicken, sodass die Stadt heute von vielerlei kulturellen Einflüssen profitiert. Dabei gab es immer wieder Katastrophen wie zum Beispiel Stadtbrände im Mittelalter, wobei die Stadt aber nur zweimal durch kriege-rische Handlungen sprichwörtlich ausgelöscht wurde. Nach dem Einfall der Mongolen in Zentraleuropa im Jahre 1241 komplett geplündert und zerstört, wurde die Stadt unmit-telbar danach von deutschen Siedlern wiederaufgebaut, was bis 1261 dauerte, und sie waren für viele Jahrhunderte bis 1945 die prägende Kraft der Stadt.

Neumarkt 1945Breslau, Neumarkt (Plac Nowy Targ), 1945

Gegen Ende des 2. Weltkrieges erklärten die Nazis die Stadt Breslau im Jahr 1945 als Ganzes zur militärischen Festung, die es mit allen Mitteln zu verteidigen gälte. Durch den hierdurch entstandenen Häuserkampf zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee in großen Teilen verwüstet – wurde die Stadt danach in zweifacher Hinsicht ein Symbol der Migration und Vertreibung, denn gemäß den Vereinbarungen der Alliierten mussten nach Ende des 2. Weltkrieges nahezu alle noch verbliebenen deutschen Bewohner die Stadt und Schlesien verlassen, um Platz zu machen für expatriierte Polen aus polnischen Gebieten im Osten – Territorien, die nunmehr von der Sowjetunion besetzt und beansprucht wurden. Die neuen polnischen Bewohner und Bürger haben mit viel Mühe und Energie über längere Zeit Breslau nach den Wirren des Kriegs wiederaufgebaut, sodass man auch heute wieder die vielen historischen Häuser der verschiedenen Bauepochen und Stile in der Altstadt bewundern kann.

DSC_0051Die fünfte Fassade des Marktes,  Jurek Kozieras

In seinen Assemblagen setzt sich deren Erschaffer Jurek Kozieras seit dem Jahr 2000 quasi archäologisch mit der Stadtgeschichte Breslaus auseinander. Seine Arbeiten sind aus Alltagsgegenständen bzw. Resten davon entstanden, die er in der Nähe seines Hauses im Breslauer Stadtteil Herdain (Gaj) gefunden hat, nachdem Bagger dort im Rahmen eines Neubaus mit Erde und Schutt all diese Relikte und Schätze der ehemaligen deutschen und jüdischen Bewohner aus der Tiefe ans Tageslicht beförderten.

DSC_0102Detailansicht aus: Meine kobaltblaue Ballade,  Jurek Kozieras

Entstanden sind hierdurch phantastische, surreale und teilweise auch gemalte Objekte aus einer Grenzregion im Spannungsfeld unterschiedlicher nationaler Diskurse, auch wenn sich die Grenze zwischen Polen und Deutschland seit 70 Jahren nach Westen an die Ufer von Oder und Neiße verschoben hat. Für Jurek Kozieras ist es bei seiner Arbeit mit den historischen Fundstücken aber nicht wichtig, welche Nationalität die früheren Benutzer dieser alltäglichen Dinge hatten, sondern einzig und allein die Tatsache, dass es sich hierbei um Spuren und von der Geschichte vergessene Hinterlassenschaften ehemaliger Breslauer handelt, die in diesen Arbeiten wieder Gehör in der heutigen Zeit finden.

DSC_0084.JPGReisefieber, Jurek Kozieras

Der regionale Aspekt ist also eine treibende Kraft dieser Kreationen, welche in der Tradition von Kurt Schwitters oder auch von Hannah Höch stehen. Die während der sehr langen kommunistischen Ära verdrängte deutsche und jüdische Geschichte der Stadt bekommt durch diese Arbeiten so auch wieder einen Platz im Gedächtnis der heutigen Bewohner, und die Ausstellung seiner Assemblagen stieß vor 10 Jahren in Breslau auf so großes Interesse, dass die Ausstellung dort verlängert werden musste.

DSC_0127Detailansicht aus: Hoinstein bei Breslau, Jurek Kozieras

Im Jahre 2016 ist Breslau nun Kulturhauptstadt Europas (zusammen mit San Sebastian im Baskenland), und diese hier nun gezeigte Ausstellung Als die Welt in Scherben fiel mit einer Auswahl von 25 Exponaten in der Humboldt-Bibliothek in Berlin-Tegel ist die erste Veranstaltung der Kulturhauptstadt Breslau in Berlin.

DSC_0066Detailansicht aus: Ode an den Kölner Dom, Jurek Kozieras

DSC_0061Gespräch mit Kurt, Jurek Kozieras

In einer Zeit, wo eine Vielzahl von Politikern in allen möglichen Ländern wieder eifrig alte Feindbilder längst vergangener Zeiten reaktivieren und pflegen, sind diese Assemblagen im Gegensatz dazu visionäre und sehr komplexe Botschaften einer bei aller gepflegten Tradition auch modernen und aufstrebenden Stadt im Herzen von Europa.

DSC_0057Schlesische Schlösser,  Jurek Kozieras

Weitere Informationen zu Breslau und dem diesjährigen Kulturprogramm hier:

http://www.wroclaw.pl/go/veranstaltungen

 

 

 

THE OLD CITY OF SPANDAU IN AND CLOSE TO BERLIN

800px-Ansicht_Spandau_um_1850 Spandau near Berlin, ca.1850, L. Rohbock/Joh. Poppel

Not too many tourists are loafing around here to be honest while the city centre of Berlin is “far” away (around 18 kms) although it is really worth a visit. And some inhabitants are still talking about Spandau near Berlin while it got part of the German capital only in 1920 A.D. where Spandau is now lying in the very Western area. Today the old town will not be safeguarded by an old city wall, instead more modern buildings, living areas and industrial zones are surrounding it while it is today being also divided by the always busy 6-lane road Am Juliusturm. But it can of course also be easily reached from the city centre by (urban) railway, metro and bus services quite quickly.

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View to the old town from the mainroad Am Juliusturm

Times are changing, but fortunately some old buildings did survive even the vast, severe destructions being lately a result of World War II in the history of this town which was firstly documentary mentioned as a city at 1232 A.D. although early settlements by Slavic tribes are going back much longer to approx. 550 A.D. The castle complex Spandow was being finalized in any case in the late 12th century and formed the basis for the later town surrounding it subsequently step by step in the mediaval time period like at many other places in Germany. You will find hereunder some more photographical impressions, and sometimes it does not at all feel to really be in a big and modern city.

Zitadelle

The Rennaisance citadel of Spandau (16th century)

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The tavern ‘Satt und Selig’ (sated and blessed)

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Place of Reformation with St. Nikolai church

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Protestant relief at Place of Reformation

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Cocktail bar with view on rear side of St. Nicolai church

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Old and new architecture at Kolk Street

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Historical houses at Kolk Street

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Tiny half-timber house at Möllentordamm

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Back yard of St. Mary Church

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Spandau’s former gate to the world: Havel river with lift lock (still in use for inland shipping)

800px-Karte_der_Berliner_Wasserstraßen

Water streets in the region of Berlin

As you can see on the map, in the region of Berlin there are also a lot of rivers and lakes from the last ice-age, green areas and huge forests. So if you are tired from walking through the city, there are always opportunities for discovering the green zones or bathing in summer. Somehow, living here feels sometimes more like being in a big village.